URLAUB AUF DEM BAUERNHOF AUS UNTERNEHMERISCHER SICHT:
WIE TEUER SOLL UND DARF EIN DOPPELZIMMER
ODER EINE FERIENWOHNUNG SEIN?
von
Christian Strutz und Elisabeth Andress
2. Mitteilung: Berechnung des Mindestpreises nach erfolgter oder geplanter Investition
Zusammenfassung:
Es gibt, in Abhängigkeit von der Höhe einer getätigten oder geplanten Investition, der Auslastung, den Kosten und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einen direkt berechenbaren Mindestpreis für Doppelzimmer und Ferienwohnungen. Die Analyse der Preisverhältnisse im Landkreis Lindau/Bodensee zeigt, daß die Preise meist unter dem errechneten Mindestpreis liegen.
Einleitung
Die vergleichende Grafik (Abb.1) für die Preisklassen von Doppelzimmern und Ferienwohnungen im Landkreis Lindau/Bodensee, den Katalogen von 1994 und 1995 entnommen, zeigt einen deutlichen Trend in Richtung Ferienwohnungen, wobei ein Zuwachs von 36 auf 58 Anbieter zu verzeichnen ist.
Weil sich die Konkurrenz-Situation verschärft hat und die Zielgruppen für Urlaub auf dem Bauernhof vermutlich weiterhin Familien mit Schulkindern sind, die auf Billig-Angebote angewiesen sind, haben sich die Preise dieser Vermietungsart gegenüber dem Vorjahr nur unwesentlich erhöht und befinden sich hauptsächlich in der Preisklasse zwischen 55 und 65 DM (Tab.1).

Andererseits ist bekannt, daß erhebliche Geldmittel, auch öffentliche, in Urlaub auf den Bauernhof als Erwerbsquelle investiert worden sind; und so stellt sich die Frage, ob sich die vermietenden Bäuerinnen nur nach dem örtlichen Preisniveau richten, ob sie eine Vornutzung des Altenteils beabsichtigen oder ob sie bedenken, daß sich die Investitionen auch lohnen sollen.
Tabelle 1
PREIS-VERGLEICH VON URLAUB AUF DEM BAUERNHOF
IM LANDKREIS LINDAU/BODENSEE
|
|
Übernachtung mit Frühstück*) |
Ferienwohnung |
||
|
Jahr |
1994 |
1995 |
1994 |
1995 |
|
|
|
|
|
|
|
Anzahl der Anbieter |
35 |
30 |
36 |
58 |
|
Durchschnitt DM |
20,14 |
23,73 |
60,92 |
62,84 |
|
Standardabw. DM |
2,52 |
4,77 |
10,08 |
12,49 |
|
Minimum DM |
16,00 |
18,00 |
45,00 |
40,00 |
|
Maximum DM |
29,00 |
40,00 |
85,00 |
100,00 |
*
) pro Person (Doppelzimmer)Obwohl Modellrechnungen von WEINBERGER-MILLER (1994) zeigen, daß bei Preisen für eine Ferienwohnung unter 80 Mark nichts verdient ist, hatten die Vermieterinnen bisher keine Handhabe, den Mindestpreis für ihre Ferienwohnung oder ihre Doppelzimmer aufgrund erfolgter oder geplanter Investition nach finanziellen Gesichtspunkten selbst zu bestimmen.
Die dazu notwendigen Rechenvorgänge können nicht mit einem Taschenrechner bewältigt werden. Erst der Einsatz von Personal Computern (PC) ermöglicht es auch den Beratern und Unternehmern eigene Rentabilitätsberechnungen durchzuführen.
Um die Informationslücke zu schließen, stellt der vorliegende Beitrag eine Formel zur Berechnung des Mindestpreises vor. Gleichzeitig wird gezeigt, welche finanziellen Konsequenzen aus der Investition in ein Doppelzimmer oder eine Ferienwohnung entstehen. Außerdem führt der Beitrag den Teil eines Computer-Programms vor, der dazu geeignet ist, individuelle Eckdaten mittels Tabellenkalkulation als Entscheidungshilfe zu ermitteln.
Ergebnisse
1. Ermittlung der Kapitalkosten
Die Tabelle 2 zeigt, anhand des Modells von WEINBERGER-MILLER (1994), die mittel- und langfristigen Komponenten einer Investition von 47 500 DM für eine Ferienwohnung.
Tabelle 2
KAPITALKOSTEN BEI EINER INVESTITION VON 47 500 DM
|
Wohnung/Zimmer |
Betrag DM |
Nutzungsdauer/Jahre |
Abschr.% |
DM/Jahr |
|
Baukosten |
30.000 |
30 |
3,33 |
1.000 |
|
Installationen |
5.000 |
20 |
5,00 |
250 |
|
Einrichtungen |
10.500 |
10 |
10,00 |
1.050 |
|
Freizeitanlagen |
2.000 |
20 |
5,00 |
100 |
|
Investition |
47.500 |
2.400 |
||
|
Zinsanspruch |
8,00 % |
1.900 |
||
|
Instandhaltung |
2,00 % |
950 |
||
|
Gesamte Kapitalkosten |
5.250 |
Die jeweiligen Investitionskomponenten, die Nutzungszeiträume und die sich daraus ergebenden linearen Abschreibungen und Kapitalkosten sind in dieser Tabelle aufgeführt. Der Benutzer des Programms kann sowohl die Nutzungsdauer als auch die prozentuale Einschätzung der Instandhaltungskosten den eigenen Verhältnissen anpassen.
2. Berechnung des Mindestpreises
Die Tabelle 3 zeigt die finanziellen Konsequenzen, die aus der Investition entstehen. Die Investitions- und Kapitalkosten sind vom Datensatz der Tabelle 2 übernommen. Die fettgedruckten Zahlen für Wohnungspreis, Belegdauer, Stundenlohn, Nebeneinnahmen und Betriebs- und Nebenkosten sollen verdeutlichen, daß es sich hierbei um freie Eingaben handelt, die sich den individuellen Verhältnissen angepassen. Der Erwartungshorizont von 30 Jahren stimmt mit der maximalen Nutzungsdauer der Investition überein.
|
Geplant-Notiert |
Berechnet |
||
|
Preis |
75 DM/Tag |
Mindestpreis |
71 DM/Tag |
|
Belegdauer |
25 Wochen |
Belegdauer |
175 Tage |
|
Stundenlohn |
30 DM/Std. |
Ertrag pro Stunde |
47 DM/Std. |
|
Nebeneinnahmen |
0 DM/Jahr |
Arbeitsaufwand |
105 Std/Jahr |
|
Betriebskosten |
1.722 DM/Jahr |
Kapitalkosten |
5.250 DM/Jahr |
|
Nebenkosten |
1.268 DM/Jahr |
Gesamtkosten |
8.240 DM/Jahr |
|
Ertrag |
4.885 DM/Jahr |
||
|
Zinsfuß |
8,00 % |
Investition |
47.500 DM |
|
Horizont |
30 Jahre |
Kapitalwert |
6.941 DM |
|
Baukosten |
30.000 DM |
Äquival.Annuität |
666 DM/Jahr |
|
Installationen |
5.000 DM |
Interne Verzinsung |
9,63 % |
|
Einrichtungen |
10.500 DM |
Amortisationsdauer |
19 Jahre 7 Mo |
|
Freizeitanlagen |
2.000 DM |
||
Der Kapitalwert, die äquivalente Annuität, die interne Verzinsung und die Amortisationszeit als Erfolgskriterien für eine Investition werden vom Programm automatisch berechnet. Demnach lohnt sich eine Investition erst dann, wenn Kapitalwert und äquivalente Annuität einen positiven Wert haben, die interne Verzinsung über dem Zinsfuß liegt und die Amortisationszeit kürzer ist als die Nutzungsdauer. Das Modell in der Tabelle 3 zeigt also eine erwünschte Situation.
Der errechnete Mindestpreis beträgt 71 DM, zu dessen Berechnung die Höhe der Investition, der Diskontierungsfaktor, die Gesamtkosten und die Anzahl der Belegtage benötigt werden, wie die Formel zeigt:
,
wobei S(D) die Summe der Diskontierungsfaktoren symbolisiert. Die Herleitung der Formel befindet sich im Anhang.
Es ist festzustellen, daß der Mindestpreis aus der Tabelle 3 weit über dem in der Tabelle 1 erwähnten Durchschnittspreis von etwas über 60 DM für Ferienwohnungen liegt, obwohl im allgemeinen für eine Ferienwohnung kaum weniger als 50.000 DM investiert werden.
3. Einflußfaktoren
Aus der Grafik geht hervor, daß jeweils 10.000 DM Investition eine Erhöhung des Mindestpreises um etwa 5 Mark verursachen, wobei mit einer Investition von 30.000 DM der Mindestpreis bei knapp über 60 Mark liegt, während er bei einer Investition von 150 000 eine Höhe von fast 130 DM erreicht. Vor einer Investition in dieser Größenordnung sollte die Bäuerin bedenken, daß sie bei einem Preis von über 100 DM kaum noch konkurrenzfähig ist.

Auch die Höhe der Gesamtkosten ist in hohem Maße abhängig vom investierten Kapital, denn die größte Komponente (etwa 64 %) besteht aus den Kapitalkosten. Jeweils 1.000 Mark erhöhen den Mindestpreis um 5,71 DM.
Ähnliches gilt für den Bankzins, der zusammen mit dem Erwartungshorizont die Höhe des Diskontierungsfaktors bestimmt: Ein Prozent Erhöhung verursacht eine Steigerung des Mindestpreises um jeweils 3,78 DM. Dies rechtfertigt die Beantragung eines Agrar-Kredits mit Zinsvergünstigung für die geplante Investition. Im allgemeinen befindet sich aber der Bankzins außerhalb der Kontrolle der Vermieter.
Die Abbildung 3 zeigt, in welchem Umfang der Mindestpreis, in Bestätigung der Aussagen von WEINBERGER-MILLER (1994), von der Auslastung abhängt.

Mit jeder Woche Belegzeit vermindert sich der Mindestpreis um durchschnittlich 2,50 DM und die Ferienwohnung gewinnt so an Konkurrenzfähigkeit.
Zu bedenken ist, daß der aktuelle Durschnittspreis von knapp über 60 Mark erst bei einer Auslastung von 28 Wochen mit dem errechneten Mindestpreis übereinstimmt. Wären die Ferienwohnungen die gesamten bayerischen Schulferien über belegt, so wäre erst eine Auslastung von 14,5 Wochen erreicht.
Die notwendige Konsequenz für die unternehmerisch denkende Bäuerin ist die Zuwendung zu anderen - vielleicht auch finanzkräftigeren - Zielgruppen als den Familien mit Schulkindern.
Quellen
Anonym 1995: Urlaub auf dem Bauernhof in Allgäu Bayerisch-Schwaben - Katalog. Landesverband Urlaub auf dem Bauernhof in Bayern e.V. (Hrsg.)
Anonym 1994: Allgäu Urlaub auf dem Bauernhof - Katalog. Landesverband Urlaub auf dem Bauernhof in Bayern e.V. (Hrsg.)
Weinberger-Miller, P. 1994: Preispolitik. Schnelles Auslasten ist Voraussetzung. Unter 80 Mark für eine Ferienwohnung ist nichts verdient. dlz-Sonderheft.
Reisch, E. und J. Zeddies 1977: Einführung in die landwirtschaft-liche Betriebslehre. Spezieller Teil. Stuttgart 1977.
Strutz, C. 1995: FAB.EXE: Ein Management-Programm für Ferien auf dem Bauernhof. (in Vorbereitung)
Anhang
ABLEITUNG DER FORMEL ZUR ERRECHNUNG DES MINDESTPREISES FÜR EIN DOPPELZIMMER ODER EINE FERIENWOHNUNG NACH GETÄTIGTER INVESTITION
Definitionen:
Preis = Mindestpreis pro Tag
Einnahmen = gesamte Einnahmen aus der Vermietung eines Doppelzimmers oder einer Ferienwohnung pro Jahr
Einnahmen = Preis pro Tag mal Belegtage
Kosten = Betriebs- + Neben- + Kapitalkosten pro Jahr
Ertrag = Einnahmen minus Kosten
Kapitalwert = Summe der diskontierten Erträge minus Investition
i = Zins/100
t = 1...n Jahre Investitions-Horizont
(1 +i)-t = D Diskontierungsfaktor, dem Jahr entsprechend
S(1+i)-t = S(D) Summe der Diskontierungsfaktoren, demInvestitions-Zeitraum (Horizont) entsprechend
Bei einem Zinssatz von 7,5 Prozent sind z.B. bei einem Horizont von
10 Jahren: S(1,075)-t = 6,86408
20 Jahren: S(1,075)-t = 10,19449
30 Jahren: S(1,075)-t = 11,81038
Wenn sich die Investition gelohnt haben soll, so muss die Summe der diskontierten Ertäge die Kosten der Investition nach einer bestimmten Zeit ausgeglichen haben. Der Break-Even-Point d.h. der Punkt des Übergangs vom negativen zum positiven Bereich des Kapitalwerts muss spätestens am Ende des Investitions-Horizonts erreicht sein.
Die Frage ist: Wie hoch muss mindestens der Preis für ein Doppelzimmer oder eine Ferienwohnung bei gegebener Verzinsung und Belegdauer sein, damit der Kapitalwert am Ende des Investitions-Horizonts gleich Null ist?
S
(Ertrag * D) - Investition = 0 oderInvestition = S (Ertrag * D) .
Da der Ertrag die Differenz zwischen Einnahmen und Kosten ist, lässt sich die Formel entsprechend erweitern:
Investition = S [(Einnahmen - Kosten) * D]
Die Summe der diskontierten Einnahmen lässt sich von der Summe der diskontierten Kosten trennen:
Investition = S (Einnahmen * D) - S (Kosten * D)
Da aus den Einnahmen sowohl die Investition finanziert als auch die Kosten gedeckt sein sollen, wird diese Komponente auf die linke Seite der Gleichung gesetzt.
S
(Einnahmen * D) = Investition + S (Kosten * D)Bleiben die Einnahmen und Kosten über die Jahre hinweg in etwa gleich, so können sie den Summen-Zeichen vorangestellt werden. Die Einnahmen ergeben sich aus dem Preis pro Tag mal der Anzahl der Belegtage.
Preis * Belegtage * S(D) = Investition + Kosten * S(D)
Nun kann der Mindestpreis pro Tag, dem das Interesse dieser Ableitung gilt, allein auf der linken Seite der Gleichung erscheinen.
![]()
Der Bruch wird bei gleichem Nenner zerlegt, wobei sich im Fall des zweiten Bruchs die Summe der Diskontierungsfaktoren aufhebt,
,
so dass die Formel die folgende handliche Form erhält:
.
Elisabeth Andress,
Hauswirtschaftsoberrätin, Amt für Landwirtschaft u. Ernährung, Ludwig-Kick Str.12, 88131 Lindau/Bodensee.Dr. Christian Strutz , Berater für ländliche Entwicklung, Steigstrasse 26, 88131 Lindau/Bodensee
Über Fragen und Kritik freut sich der Autor : email Strutz_Christian@t-online.de
Teil II - Urlaub auf dem Bauernhof
weitere
Strutz- Artikel