Zur Geschichte der Haßberge
Wie wurde der Haßgau fränkisch?

Von August Mayer(†) - Schulphysik

Zur Orientierung - die Lage der Haßberge in Europa und Deutschland.

 Europa

Franken

Im Herzen Europas

 

Die ältesten bekannten Einwohner des Hassgaus waren die Kelten, deren Siedlungsraum mehr und mehr von feindlichen Nachbarstämmen bedroht wurde. Den ganzen Norden bis zum Thüringer Wald hatten germanische Volksstämme erobert, im Süden drangen die Römer vor, die ihre Grenze, den Limes besonders am Untermain weit nördlich vorgeschoben hatten und etwas später schoben sich von Westen her auch die Franken in den Raum der Hassberge vor. Mit gewaltigen Schutzburgen meist auf Berghöhen und Bergkämmen in Form von Ringwallanlagen, den keltischen Oppida, wollten die Kelten wohl ihren Raum schützen. Die offene Ost- West- Achse, die der Römer Sentus Saturninus 6 n. Chr. auf seinem Vormarsch von Mainz nach Böhmen benutzte wurde im Raum der Hassberge durch einen Sperre von Oppides unterbrochen: Im Norden auf dem kleinen Gleichberg nahe bei Römhild war eine der größten keltischen Burgen, heute im Volksmund die Steinsburg genannt (Sehenswertes Museum : Steinsburg bei Römhild). Im Westen des Hassgaus legte sie auf dem "Judenhügel" bei Kleinbardorf (nahe bei Bad Königshofen) eine weitere Ringwallanlage an während die Mitte bei Hafenpreppach bei der "Alten Bürg" und der "Schwedenschanze" auf dem hohen Hassberg nahe bei Hofheim befestigt wurden. Im Süden schloß sich dieser Befestigungsgürtel mit der wuchtigen Befestigungsanlage auf dem Staffelberg bei Staffelstein. Diese keltischen Schutzanlagen hatten wohl einigen Bestand gegenüber dem germanischen Ansturm von Norden her, doch ist die Besiedlung des Haßgaus mit diversen germanischen Volksstämmen im geschichtlichen Dunkel geblieben. Vorübergehend waren die Markomannen im Hassgau angesiedelt, die von den Chatten, den damaligen Hessen, im Westen und von den Hermunduren, der Vorfahren der Thüringer, im Osten abgelöst wurden. Nach den Chatten (Hessen, Hassen) sollen der Hassgau, Hassfurt und die Hassberge ihren Namen haben (historisch nicht abgesichert).
Die Völkerwanderung mit einem Zug der germanischen Völker von Norden und Osten gegen Süden brachte auch dem Hassgau mehrere Besiedlungswellen. Das Reich der Thüringer scheint nach das stabilste Gebiet in dieser Zeit und diesem Raum gewesen zu sein. Chlodwig ein Sohn Theoderichs besiegte 531 die Thüringer und von da an begann die "Verfrankung" des mittleren und oberen Maingebietes. Wie ein Keil schoben sich die Franken in den Raum längs des Mains und damit auch in den Hassgau und gaben dem Land den heutigen Namen "Franken".

 

Links

Der heutige Landkreis Haßberge, der das Kernland der Haßberge beinhaltet.

Der Große Haßberg mit dem Unterland um Hofheim.
Hinter dem Höhenzug liegt das 100m höhere Oberland des Haßgaus.
Die Haßberge gehören wie der Steigerwald zum fränkischen Stufenland.
Keuper- Stufe

In der Merowingerzeit (7.tes Jahrhundert) verlief die Hauptrichtung der fränkischen Landnahme vom Neckartal aus über Tauber und Maindreieck hinweg und kam eben im Hassgau am dichtbewaldeten Ring der Hassberge zunächst zum Stehen. So waren die Hassberge damals eine Art "Ostmark" von der anderen Seite aus vielleicht eine "(u)-Kraine".
Für diese erste fränkische Siedlungswelle sind die Ortschaften mit den Namen "-heim" kennzeichnend.
In der Karolingerzeit (8./9.-tes Jahrhundert) wurden bei der zweiten Besiedlungswelle auch die Hassberge selbst überwunden und die Ortschaftsnamen mit den Endungen "dorf", "bach", "hausen" und "hofen" wurden häufiger. Die letzte und dritte Welle zielte weiter über Bamberg hinaus in die Ostmark (heutige Oberpfalz) vom Fichtelgebirge bis nach Regensburg.
Von 624 bis 639 bekämpfte sich König Dagobert und der böhmische König Samo. Diese Grenzlandkämpfe gingen ein gutes Jahrhundert weiter, dehnten sich aus und bluteten das Neue Land der Franken langsam aus. Karl der Große füllte diese Lücken durch Ansiedlung von Kriegsgefangenen meist aus den bekanntlich sehr blutigen Sachsenkriegen auf. Diese waren nun einerseits Sachsen zum anderen aber weit mehr slawischen Wenden vom Stamme der Sorben, die auf Seiten der Sachsen kämpften. Nicht die böhmischen Slawen sondern umgesiedelte sorbische Slawen gaben daher vielen Ortschaften hauptsächlich im Oberland des Hassgaus (östlich des Hassbergkamms rund 100m höher gelegenes Gebiet zwischen Coburg und Bamberg) ihre Namen gaben: Dörfer mit den Namen "-wind".
So sind folgende Orte siedlungsfränkisch- wendischen Ursprungs mit dem Namen des fränkischen Lehnsherrn und der Bezeichnung der umgesiedelten Bevölkerung der Wenden: Ditterswind (Dietrichswinden), Voccawind (Voigtewind), Geroldswind, Bischwind (Bischofswinden), Kurzewind, Ibind (Immenwinden), Windberg, Winhausen, usw. Damit der hohe "Ausländeranteil" dieser Zeit geregelt und gesteuert werden konnte, gleichzeitig aber auch ein Nachrücken von böhmischen Slawen verhindert werden konnte, entstanden vor den Hassbergen Militär- und Verwaltungsstationen in Königshofen, Hofheim, Hassfurt und im Grossen Regensburg, Bamberg, Coburg und Würzburg. Nur so konnte die fränkische Landnahme letztlich abgesichert werden. Und im Gegensatz zu manch modernen Umsiedlungsaktionen hatte Karl der Grosse Erfolg. Der Puffer aus einer Mischbevölkerung hielt Stand und letztlich wurden alle Mainfranken, die den fränkischen Namen bis heute tragen, lange Zeit nach dem Zerfall des fränkischen Reiches mitsamt dem Mutterland im rheinischen Tiefland um Aachen.

Nach einem Manuskript von August Mayer (Ditterswind, im Advent 1963),
das Herr A. Mayer Landrat Dr. Schulphysik und dem Heimatpfleger und Schulleiter StD Barthel privat überreichte und das an die Junglehrerschaft des damaligen Landkreises Hofheim gerichtet war.
Modifiziert und geringfügig ergänzt durch Schulphysik, Würzburg 1998, MM-Physik-Frankenteil.

An dieser Stelle sei dem verstorbenen Kollegen August Mayer gedankt. Viele seiner Schriften wurden anderweitig nicht dokumentiert. Besonders schön ist seine Sammlung an mündlich überlieferten Sagen und Märchen des Hassbergraums, die auch an dieser Stelle integriert werden sollen.

In seinem Buch, "Der Königsberg im Hassgau", 1980, Verlag J. Holl, Hofheim, Ufr., schreibt auch R. Mett zur Namensgebung Frankens
"...Allmählich bildeten sich feste Gebietsbenennungen heraus. Noch zu Anfang des 8. Jahrhunderts wurde der Raum um Würzburg immer noch als Thuringia bezeichnet. Erst zum Ende dieses Jahrhunderts erschien die Bezeichnung pars australium Francorum. 830/835 nannte man die Bewohner Franci occidentalis et Australes. Ludwig der Deutsche führte 833 den Titel eines rex in orientale Francia. Ab 843 verstand man unter Francia alles Land nördlich und südlich des Mains zwischen Sachsen, Bayern und Alamannen. Franconia bürgerte sich ab 1053 ein. Das ,,Ostfranken" am Obermain dagegen war zur Zeit Pippins erst im Werden."
Zum Haßgau meint er unter Anderem:
"Häufiger wird die Ansicht vertreten, daß die Bezeichnung Haßgau, Haßberge von den Hessen, dem vormaligen germanischen Volksstamm der Chatten, herrühren müsse, die an der Besiedlung dieses Raumes beteiligt waren."
Er führt u.a. E. Solger an:
"Ursprünglich zum Bundesgebiet der Chatten (Hassi) gehörig, wurde das Land, als diese im Jahre 58 n. Chr. wegen Salzquellen mit dem Bunde der Hermunduren (die ärmen Thuren = die starken Thorsleute) in Streit kamen und besiegt wurden, an die letzteren abgetreten, die ihm den Namen Haßgau (Anm.: das ehemalige Land der Hassi) beilegten."
Dann zitiert er den Königsberger Chronist J. W. Krauß :
"Woher er (der Haßgau) den Nahmen bekommen habe, ist schwer zu sagen, muthmaßlich aber rühret er von dem Haßberg her, welches ein Wald ist . . . auf einen hohen Berg, aus welchen gegen Morgen bey Bundorff die Baunach, und gegen Abend bey dem Dorff Naßach, die Naßach entspringt. . . . Vielleicht hat der Haßberg, folglich auch Haßgau von dem berühmten Comite Hessio, Hassio oder Esico, welchen Carolus M. aus Sachsen heraus in Francken nebst anderen gesetzet, seine Benennung erhalten, welcher diese Gegend nach seinen Nahmen genennet, gleich-wie in Nieder-Sachsen der Pagus Hessigau, Hassigave oder Hossgau . . . etwa auch von einem gleichen Nahmens also ist genennet worden. Haßfurth mag etwa so viel heissen als eine Furth über dem Mayn in dem Haßgau."

Weitere geschichtliche Links unter Franken-Regional oder direkt bei:

Landesbibliothek - Landkreis Hofheim Geschichte
Karl der Grosse eine Top Site zur Geschichte des Frankenreichs unter Karl dem Grossen
mehrere Seiten von Christian Ilaender, Uni Paderborn
Die Hunnen - Der Hunnensturm, 374 - 454 von Christian Ilaender
Geschichte: Weltreiche, Kriege und "die Grossen" - homepage von Christian Ilaender
Geologie Unterfrankens von Scheinpflug 
Geologische Karte von Unterfranken suchen Sie die Bleiglanzstufe am Rand der Haßberge oder des Steigerwaldes

Bettenburg das Wahrzeichen des Haßgaus
Schwedenschanze - Auf dem Großen Haßberg
Frühlingsausflug zum Westrand der Hassberge
Unterhohenrieder Altar - siehe Bild links
Zur Geschichte. Wie wurde der Haßgau fränkisch?
Haßgaulied "Die Berge vom Haßgau sind herrlich und tiefblau..."
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