Altar in der "St. Michael" Kirche Unterhohenried

Text: Evang. luth. Kirchengemeinde Oberhohenried
Bilder: Sammlung Dr. H. Schulphysik, gest., Landrat a.D. von Hofheim 1947-1972
Webmaster: Schulphysik


Unweit von Hassfurt liegt am Unterlauf Nassach das Dorf Unterhohenried mit einem wunderschönen Laurentiusaltar in der evangelischen Gemeindekirche. Wer könnte die Beschreibung besser wiedergeben als die Kirchengemeinde selbst. Ich habe daher die offizielle Beschreibung mit der Bildersammlung meines Vaters vereint und stelle so den Altar weltweit ins rechte Licht.


Maria steht im Zentrum


 
Was wird auf dem Altar dargestellt?

Der Altar ist ein Laurentiusaltar. Auf den Reliefs wird die Legende des Heiligen Laurentius erzählt:

Laurentius war im 3. Jahrhundert Diakon der Gemeinde in Rom. Er verwaltete das Geld und Vermögen seiner Gemeinde. Unter Kaiser Decius sollten die Christen verfolgt werden. Ihr Vermögen wollte der Staat beschlagnahmen. Laurentius bekam Wind von dem Plan. Schnell verteilte er das ganze Vermögen unter die Armen der Gemeinde. Laurentius wurde verhaftet und aufgefordert, das Kirchenvermögen herauszugeben. Der Diakon erbat sich dafür etwas Zeit. Diese Zeit nutzte er, die Armen und Krüppel zusammenzurufen und vor den Kaiserpalast zu bringen. Er zeigte sie dem Herrscher mit dem Wort: "Sieh, hier sind die Schätze der Kirche". In seiner Wut befahl Kaiser Decius, Laurentius bei lebendigem Leib auf einem Rost zu braten. Seine Leiche wurde von der römischen Gemeinde bestattet und sein Grab verehrt.

Auf den Altarreliefs ist der Kaiser mit türkischem Turban abgebildet. Eine Säule ist zu sehen, auf der ein Götzenbild aus Metall stand, das verloren ging. Den Götzen sollte Laurentius anbeten. Auf dem rechten Relief steht ein Hofbeamter in Falknertracht. Vom kleinen Holzfalken blieben nur die Krallen auf dem Falknerhandschuh erhalten.




Altarmitte:
Maria als Himmelskönigin, die Füße auf einem Halbmond gesetzt, der ein richtiges Gesicht hat.
Evangelist Johannes mit Kelch
Laurentius mit geschlossener Hand, in der einst ein Rost steckte




 

Fußteil:

Anbetung der Könige



 

Die Altardeckel mit Gemälden von links nach rechts


St. Barbara mit Kirchenmodell und Kelch
St. Katharina mit dem Rad
St. Anna mit Christuskind, darunter ihre Tochter Maria
St. Margarethe mit zum Schoßhündchen gebändigten Höllendrachen


 
Rahmen und Hintergrund

Von zentraler Bedeutung im religiösen Denken des Mittelalters waren die Taten der Heiligen und Märtyrer, deren Werke das Vermögen der Kirche waren. Auf Grund dieses Vermögens konnte die Kirche die Rolle der Heilsvermittlerin beanspruchen. Diesen Schatz der Kirche vergegenwärtigt der figürliche Inhalt des Flügelaltars. Unterstrichen wird der Wert des Inhalts durch die Bemalung des Rahmens mit königlicher Purpurfarbe. Mit der gleichen Absicht wurde für den Hintergrund Farbe aus blauem Edelstein verwendet.
 
Die Geschichte des Altars
Einmal ist es ein kleines Wunder, daß der Altar die letzten 500 Jahre in seienen wichtigsten Teilen überstanden hat. Die Neuzeit war ja eine Zeit der Umbrüche, auch für die Orte im Nassachgrund: die Reformation und deren Radikalisierung durch Bildersturm und Bauernkrieg, die Religionskriege bis zur Katastrophe des 30-jährigen Krieges, die Napoleonischen Kriege, die Besetzung durch bayerische Truppen und Säkularisation, schließlich der 2. Weltkrieg.
Auch hat der Zeitgeschmack immer seine Spuren hinterlassen. In der Reformationszeit wurden die Figuren des Altars, anstößige Relikte des von der römischen Kirche mißbrauchten Heiligenkults, dick mit Farbe überzogen. In den großen Fastenzeiten der evangelischen Tradition – Advent und Passion – blieb der –Altar auch verschlossen. Immer wieder wurden mit dem Zeitgeschmack wechselnde Bemalungen aufgetragen. Diese wurden bei einer grundlegenden Renovierung in den 50er Jahren entfernt. Die Qualität der Figuren sollte wieder zum Vorschein kommen.
In den 90er Jahren wurden die Holzoberflächen gereinigt und konserviert. Außerdem wurden die technischen Möglichkeiten genutzt, der ursprünglichen Bemalung wieder auf die Spur zu kommen.
Dieser Streifzug durch die Geschichte zeigt, da0 die Kirche mit dem Altar kein Museum ist, sondern immer geprägt wird durch den Zeitgeschmack der Gemeindeglieder.
 
Allgemeines
Zum spätgotischen Altaraufsatz:
Das Kunstwerk wurde zwischen 1470 und 1520 hergestellt. Der gute Erhaltungszustand und sein künstlerische Qualität machen den Altar zu einem regional einzigartigen Kunstwerk.
Die Herkunft des Flügelaltars blieb bis jetzt ein Geheimnis, da keine schriftlichen Urkunden mehr vorhanden sind, die über Künstlerschule und Auftraggeber Aufschluß geben könnten. Außerdem ist der Altar stilistisch vielgestaltig, so daß auch in der kunsthistorischen Analyse keine eindeutige Zuordnung zu einem bestimmten Künstler oder seiner entsprechenden Schule möglich war.
 


Kirche und Gemeinde
Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche als Laurentiuskirche stammt aus dem jahr 1412. Die älteste Glocke ist aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Auf diese Zeit wird auch der Turm datiert. Ursprünglich war die Kirche als befestigtes Refugium angelegt. Das Kirchenschiff wurde nach dem Umbau 1706 am Michaeli-Tag neu geweiht und die Kirche so umbenannt. Hier schmücken Figuren der Zwölf Apostel mit Christus die erste Empore. Die reich gegliederte Kanzel, der Epistelstuhl, sowie der Orgelprospekt stammen aus der Barockzeit. Das Orgelwerk jedoch ist jüngeren Datums.
Erste urkundliche Belege für die Besiedlung des Gemeindegebietes können durch neue Studien bis auf das Jahr 1157 zurückverfolgt werden. Als sich die Dörfer Sylbach, Unter- und Oberhohenried herausgebildet hatten, wurde im mittleren Dorf, Unterhohenried, eine gemeinsame Kirche erbaut. Die drei Orte gehörten zum sächsischen Amt Königsberg. Daran erinnert das wettinische Wappen außen über dem ersten Fenster des Kirchenschiffs. In den 20er Jahren des 16. Jahrhunderts trat die Reformation im ganzen sächsischen Gebiet ihren Siegeszug an. Wenige Jahrzehnte später kam Unterhohenried unter Würzburger Herrschaft und wurde katholisch. Kirche und altes Pfarrhaus blieben jedoch evangelisch und geistlicher Mittelpunkt für Sylbach und Oberhohenried. Die katholische Gemeinde bekam erst 1816 eine markante klassizistische Kirche

Quellen: Landratsamt Hassberge vermittelte freundlicherweise den Text der
Evang. luth. Kirchengemeinde Oberhohenried, Kirchberg 2, 97437 Haßfurt,Tel.: 09521/3437
Bilder wurden von Schulphysik digitalisiert und in Web- Format gebracht.
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