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27. Mai 2000 ©
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Ein Mausklick als Startschuss
Virtuelle Hochschule Bayern in Hof eröffnet

Pressemitteilung Virtuelle Hochschule Bayern, 15.05.2000
von Heiner Stix
Zunächst 38 Lehrangebote in fünf Fachgruppen / Zehetmair: "Durch die Wahrnehmung virtueller Lehrveranstaltungen können sich die Studierenden ganz spezielle Qualifikationsprofile schaffen" / Qualitätssicherung hat höchste Priorität / Positive Rückwirkungen auf die Präsenzlehre werden erwartet In einer virtuellen Hochschule ist es mit der Symbolik so eine Sache. Niemand kann einen Grundstein legen, das Richtfest fällt mangels Dachstuhl aus, nirgendwo gibt es ein Band zum Durchschneiden. Bei der Eröffnung der Virtuellen Hochschule Bayern am Montag, 15. Mai 2000, im Städtebundtheater Hof griffen Bayerns Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber und der bayerische Wissenschaftsminister Hans Zehetmair deshalb zur Maus. Mit einem Mausklick gaben sie den Start für den Studienbetrieb an der Virtuellen Hochschule Bayern frei. Von nun an stehen den 200.000 Studentinnen und Studenten Bayerns die besten multimedialen Lehrangebote der bayerischen Hochschulen zur Verfügung. Online, kostenlos, sooft, wann und wo immer sie wollen. Bayern ist damit das erste Bundesland, in dem für den Aufbau eines virtuellen Lehrangebotes auf das Angebot und das Know-how aller Hochschulen des Landes zurückgegriffen wird. Die Virtuelle Hochschule Bayern ist ein Verbundinstitut aller neun Universitäten und 16 Fachhochschulen des Freistaates. Mit 22 Millio-nen Mark aus der High-Tech-Offensive Bayern startet die virtuelle Hochschule, die ihren realen Sitz im oberfränkischen Hof hat, in die Pilotphase. Das Lehrangebot umfasst zunächst 38 Lehrangebote in den Fachgruppen Informatik, Ingenieurwissenschaften, Medizin, Wirtschaftswissenschaften und Schlüsselqualifikationen. Die Angebote stammen von zwölf der 25 bayerischen Hochschulen. Nach der Pilotphase, die im Frühjahr 2001 abgeschlossen sein wird, folgen weitere Fachgruppen. Die Planungen sehen vor, in einem nächsten Schritt mit den Erziehungswissenschaften und der Lehrerbildung 'online' zu gehen, in weiteren Schritten sollen auch die Natur-, Geistes-, Sozial- und Rechtswissenschaften sowie Kunst, Architektur und Design folgen. Die Motivation, eine virtuelle Hochschule ins Leben zu rufen, umriss Bayerns Wissenschaftsminister Hans Zehetmair mit den Prognosen zur Entwicklung der virtuellen Lehre an den Hochschulen. Internationale Studien gehen davon aus, dass virtuelle Lehre bis zum Ablauf dieses Jahrzehnts im Durchschnitt 15 bis 20 Prozent der gesamten Hochschullehre ausmachen wird. "Wir können entweder abwarten, bis sich die Studierenden diese virtuelle Lehre von außerhalb Bayerns oder Deutschlands holen. Oder wir können uns das Ziel setzen, diesen Anteil durch die bayerischen Hochschulen selbst anzubieten." Ausgehend von den prognostizierten 15 bis 20 Prozent Anteil virtueller Lehre am gesamten Lehrangebot würde das für Bayern bedeuten, dass im Jahr 2010 etwa 10.000 virtuelle Lehrveranstaltungen angeboten werden. Für die Studierenden sieht Zehetmair eine Menge guter Gründe, virtuelle Lehrangebote zu nutzen. Etwa wegen der hohen zeitlichen Flexibilität und dem entstehenden Freiraum für andere Tätigkeiten. Oder weil so Lehrveranstaltungen zugänglich werden, die am eigenen Hochschulstandort nicht angeboten werden. Dadurch wiederum lassen sich individuelle Qualifizierungsprofile erstellen, die bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bieten. Die Teilnahme am virtuellen Studium ist denkbar einfach. Über das Internet können sich Studentinnen und Studenten der bayerischen Hochschulen unter www.vhb.org registrieren lassen und für die gewünschten Lehrveranstaltungen anmelden. Die Lehrenden der bayerischen Hochschulen bieten Veranstaltungen im virtuellen Raum an, die über einen internetfähigen Rechner von jedem Ort der Welt aus abgerufen werden können. Mit einem Passwort haben die Studierenden dann Zugriff auf die Materialien, die von den Betreuern im Rahmen der virtuellen Lehrveranstaltung zur Verfügung gestellt werden. Das können, je nach Veranstaltungstyp, Videos von Vorlesungen mit eingespielten Tafelanschriften sein, Skripte, Übungsaufgaben, Animationen, Beispielfilme etc. Die Betreuung erfolgt durch E-Mail-Kontakte mit den Lehrenden oder durch Gedankenaustausch und Diskussionen in Chatrooms. Lediglich Prüfungen müssen zumeist noch vor Ort in der jeweils anbietenden Hochschule abgelegt werden. Ziel ist, dass die Studienleistungen von den an der virtuellen Hochschule Bayern beteiligten Hochschulen problemlos anerkannt werden. Um diese Anerkennung sicher zu stellen, ist nach Ansicht der Verantwortlichen ein Höchstmaß an Qualitätsmanagement notwendig. Anders als bei den herkömmlichen Lehrveranstaltungen soll die Qualitätssicherung nicht mehr nur vom anbietenden Wissenschaftler abhängig sein. Für die vier Qualitätsbereiche Lehrmaterialien, Betreu-ung, Organisation/Technik und Nutzen wurden Qualitätskriterien ausgearbeitet. Anhand dieser Qualitätskriterien - etwa medienge-rechte Gestaltung, angemessene Interaktivität, Qualifikation der Betreuer, angemessene Antwortzeiten, klare Strukturen, inhaltliche Relevanz - beurteilen die eigens eingesetzten Fachräte die angebotenen Lehrveranstaltungen und entscheiden über die Aufnahme in das Angebot der Virtuellen Hochschule Bayern. Schulungsmaßnahmen für die Betreuer sollen ein Übriges tun, das virtuelle Studium zum Erfolg zu führen. Für den Rektor der Universität Erlangen-Nürnberg, Prof. Dr. Gotthard Jasper, ist die Qualitätssicherung das wichtigste Kriterium für den Er-folg der Virtuellen Hochschule Bayern. "Virtuelle Lehre ist gnadenlos transparent. Spätestens wenn wir die Virtuelle Hochschule Bayern für den Weiterbildungsmarkt öffnen, kann man sich weltweit aus erster Hand ein Urteil über das Angebot und die Qualität der Lehre an Bayerischen Hochschulen bilden. Vor allem deswegen, natürlich auch wegen der immensen Kosten, die für die Erstellung eines virtuellen Lehrangebotes anfallen, ist ein präzises Verfahren der Qualitätssicherung für mich das entscheidende Kriterium." Jasper, der für die Universitäten in der Exekutivkommission der Virtuellen Hochschule Bayern sitzt und gemeinsam mit Ministerialdirigent Jürgen Großkreutz vom bayerischen Wissenschaftsministerium Sprecher des Gremiums ist, verspricht sich von den ausgefeilten Qualitätskriterien und ihrer Anwendung auch Rückwirkungen auf den all-gemeinen Hochschulbereich und auf die Präsenzlehre. "Eine der größten Chancen ist es, dass fließende Übergänge zwischen Präsenzlehre und virtueller Lehre entstehen. Ich hoffe, dass das Poten-zial an didaktischer Reflexion, das in eine gute virtuelle Lehre investiert werden muss, die Gestaltung traditioneller Lehrveranstaltungen beeinflusst." Ein fortlaufender Verbesserungsprozess sowie transparente, definierte Verfahrensabläufe sollen die Qualität sicherstellen. Studentische Evaluation der Veranstaltungen ist dabei ebenso selbstverständlich wie die kollegiale Bewertung der Lehrveranstaltung durch die Fachräte - ein in der deutschen Hochschullandschaft bislang unbekanntes Vorgehen. Gleichzeitig ist Jasper sich der Tatsache bewusst, dass wegen des hohen Aufwandes, der für die Erstellung virtueller Lehrangebote betrieben werden muss, ein hohes Maß an Motivation bei den Lehrenden notwendig ist. "Die Hauptlast der Betreuung wird sicherlich bei den wissenschaftlichen Mitarbeitern liegen. Wir gehen davon aus, dass ein Engagement in der virtuellen Lehre positive Auswirkungen auf die künftige wissenschaftliche Laufbahn haben wird. Und in der Anfangsphase ist es sicherlich auch der Reiz des Neuen und der eigene Innovationsbeitrag, der für ein weit überdurchschnittliches Engagement der Mitarbeiter bei der virtuellen Betreuung sorgen wird." Jasper wertet es als positives Zeichen, dass den Fachräten für die Pilotphase mehr als doppelt so viel Lehrveranstaltungen angeboten wurden, als letztlich berücksichtigt werden konnten. Die Ergänzung der Lehre an bayerischen Hochschulen soll nicht die einzige Aufgabe der Virtuellen Hochschule Bayern bleiben. Mittelfristig ist vorgesehen, Weiterbildungsangebote zu entwickeln und Unternehmen, Trägern der Weiterbildung oder auch im Rahmen eines Er-gänzungsstudiums zur Verfügung zu stellen. Anders als für das grundständige Studium werden diese Angebote allerdings nicht kostenlos sein. Sie müssen zumindest kostendeckend angeboten werden, einen Gewinn soll die virtuelle Hochschule nicht erwirtschaften. Die Finanzierung des Lehrangebotes wird nach dem Auslaufen der Förderung aus der High-Tech-Offensive Ende 2002 aus dem normalen Haushalt des Wissenschaftsministeriums erfolgen.

7 Bezirke

Kontakt:
Dr. Walter F. Kugemann
Koordinator der Planungsarbeiten zur Virtuellen Hochschule Bayern Universität Erlangen-Nürnberg Tel. 09131/85-24736 Fax. 09131/85-24738 kugemann@fim.uni-erlangen.de
Dr. Alfred Steinhäußer
Kommissarischer Geschäftsführer Universität Erlangen-Nürnberg Tel. 09131/85-22528 Fax 09131/85-26239 Mail co@zuv.uni-erlangen.de
Die Virtuelle Hochschule Bayern im Netz:
www.vhb.org
mm-physik: ikon in Bildleiste links: Regiomontanus - Frankens erster großer Naturwissenschaftler


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